Führungskräfte, die zwischen Funktion und Person unterscheiden können, treffen klarere Entscheidungen, geben besseres Feedback und nehmen sich vieles weniger zu Herzen. Eine unterschätzte Kompetenz.
Manche Führungskräfte tragen schwer an ihrer Rolle. Eine kritische Rückmeldung trifft sie persönlich. Ein Konflikt im Team raubt ihnen den Schlaf. Eine schwierige Entscheidung wird zur Zerreißprobe, weil sie sich mit jeder Faser mit ihr identifizieren.
Das ist menschlich. Aber es macht Führung unnötig schwer. Und es lässt sich verändern.
Der Unterschied zwischen Funktion und Person
In meiner Arbeit mit Führungskräften und Vorständen sehe ich einen Unterschied, der sich immer wieder bewährt: Wer als Führungskraft bewusst zwischen seinen Rollen trennen kann, zwischen Taktgeber, Kollege und Coach, der kann sich von belastenden Situationen besser distanzieren. Kritik richtet sich dann an die Funktion, nicht an die Person.
Das hat sehr konkrete Folgen. Wenn ein Mitarbeiter eine Entscheidung infrage stellt, dann stellt er die Entscheidung infrage, nicht den Menschen dahinter. Wer das trennen kann, bleibt handlungsfähig, statt in die Verteidigung zu gehen.
Wenn alte Muster in die Führungsrolle rutschen
Immer wieder erlebe ich, dass Rollen unbewusst vermischt werden. Wir alle bewegen uns in vielen Rollen: als Führungskraft, als Partnerin, als Elternteil, als Kind unserer Eltern. Das Problem entsteht, wenn Verhaltensweisen aus einer Rolle unbemerkt in eine andere rutschen.
Ein Beispiel aus der Praxis: Eine Geschäftsführerin füllt zu Hause selbstverständlich die fürsorgliche Mutter-Rolle aus. Im Unternehmen legt sie diese Rolle nicht ab. Sie umsorgt ihre Mitarbeitenden, will es allen recht machen. Mit der Zeit nutzen einige das aus, die Autorität bröckelt schleichend, fast unbemerkt. Am Ende wird sie in ihrer Führungsrolle nicht mehr ernst genommen.
Das Problem ist selten die Person. Es ist die unklare Rolle. Wer weiß, als wer er gerade handelt, handelt klarer.
Klarheit darüber, was die eigene Verantwortung ist
Rollenklarheit hat einen doppelten Wert. Sie macht deutlich, was in der Verantwortung der Führungskraft liegt, und ebenso, was nicht.
Genau hier entsteht in meinen Coachings oft ein Aha-Effekt. Viele Führungskräfte tragen Verantwortung, die gar nicht ihre ist, und nehmen sich Dinge zu Herzen, für die sie nicht zuständig sind. Wer die Grenzen der eigenen Verantwortlichkeit kennt und sie wertschätzend kommuniziert, entlastet sich spürbar und führt dadurch klarer.
Ein einfaches Hilfsmittel: die Schleusenzeit
Wie gelingt dieser Rollenwechsel im Alltag? Ein einfaches Bild hilft: die Schleusenzeit. Gemeint ist eine bewusste Übergangsphase, in der man sich klarmacht, in welche Rolle man gerade wechselt.
Die Fahrt von der Arbeit nach Hause kann eine solche Schleuse sein, um die Führungsrolle abzulegen und als Partnerin oder Vater anzukommen. Genauso lässt sich morgens eine kurze Schleuse einbauen, um bewusst in die Führungsrolle zu treten, statt mit der Stimmung des Frühstückstisches ins erste Meeting zu gehen. Ein kleines Ritual, das Anspannung draußen lässt und Klarheit schafft.
Mein Impuls
Sich von der eigenen Rolle distanzieren zu können, ist kein Zeichen von Gleichgültigkeit. Im Gegenteil. Es ist die Voraussetzung dafür, ruhig zu bleiben, fair zu entscheiden und Kritik nicht als persönlichen Angriff zu erleben.
Die hilfreiche Frage im Führungsalltag lautet deshalb oft nicht „Wie reagiere ich darauf?“, sondern zuerst: „Als wer bin ich hier gerade gefragt, und was ist wirklich meine Verantwortung?“
Wenn Sie Rollenklarheit, souveräne Kommunikation und gesunde Distanz in Ihrer Führung stärken möchten, freue ich mich über ein erstes Gespräch.
Erstes Gespräch anfragen: mp@coachkonsult.de




