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Führung

Das beste Team bekommt man nicht. Man entwickelt es.

30. Juni 2026 · 6 Min. · von Marc Pawlak

Das beste Team bekommt man nicht. Man entwickelt es.

Ein alter Managementspruch bringt auf den Punkt, was viele Führungskräfte übersehen: Ein gutes Team entsteht nicht durch Zuteilung, sondern durch Entwicklung.

In Führungsrunden fällt manchmal ein Satz, der hängen bleibt: „In den ersten sechs Monaten als Führungskraft erbst du dein Team. Danach verdienst du es.“

Ich mag diesen Satz, weil er eine unbequeme Wahrheit enthält. Wer ein Team übernimmt, bekommt zunächst Menschen zugeteilt, die er sich nicht ausgesucht hat. Was danach passiert, liegt zu einem großen Teil in der eigenen Hand. Und genau hier trennt sich, ob jemand verwaltet oder wirklich führt.

Die bequeme Erklärung und die ehrliche

Wenn ein Team nicht liefert, ist die schnelle Erklärung oft beim Team: zu wenig Engagement, die falschen Leute, schwierige Charaktere. Manchmal stimmt das. Häufiger aber lohnt sich die ehrlichere Frage: Habe ich diese Menschen eigentlich entwickelt, oder nur eingesetzt?

Denn die meisten Mitarbeitenden sind nicht das Problem. Sie sind an unterschiedlichen Punkten ihrer Entwicklung. Und sie brauchen jeweils etwas anderes, um wirksam zu werden.

Menschen sind nicht gleich, und das ist der Hebel

In meiner Arbeit nutze ich gern ein einfaches, bewährtes Bild: den Reifegrad eines Mitarbeitenden. Gemeint ist die Kombination aus fachlicher Reife, also Erfahrung und Können, und persönlicher Reife, also Verantwortungsbereitschaft und Sicherheit.

Wer neu und unsicher ist, braucht Struktur und klare Anleitung. Wer fachlich stark ist, aber noch zögert, braucht Ermutigung und Zutrauen. Und wer beides mitbringt, braucht vor allem eines: Verantwortung und Freiraum.

Dieselbe Führung passt nicht für alle. Was den einen stärkt, bremst den anderen. Gute Führung erkennt den Unterschied und handelt danach.

Wer alle gleich behandelt, führt niemanden richtig. Wer genau hinschaut, entwickelt aus geerbten Mitarbeitenden ein Team, das trägt.

Vier Hebel, die kein Budget kosten

Die gute Nachricht: Menschen zu entwickeln ist keine Frage großer Programme. Vier Dinge wirken besonders stark, und sie kosten nichts außer Aufmerksamkeit und Haltung.

  1. Wertschätzung. Ehrliche, konkrete Anerkennung. Nicht nur sehen, was fehlt, sondern auch, was gelingt.
  2. Verstehen. Das Bedürfnis, gesehen zu werden, ist ein stärkerer Motivator als Geld. Gute Führungskräfte sehen Menschen nicht nur so, wie sie sind, sondern auch so, wie sie sein könnten.
  3. Vertrauen. Ein Vertrauensvorschuss und der Raum, eine Aufgabe auf eigene Weise zu lösen. Lieber ein zweites Mal erklären, als die Aufgabe wieder an sich zu ziehen.
  4. Verantwortung übertragen. Wer Verantwortung bekommt, fühlt sich ernst genommen und wächst an der Aufgabe. Menschen wachsen mit dem, was man ihnen zutraut.

Diese vier Hebel verlangen keine zusätzliche Zeit im Kalender. Sie verlangen die Bereitschaft, sich wirklich für die eigenen Leute zu interessieren.

Was das mit Delegation zu tun hat

Viele Führungskräfte delegieren zu wenig. Sie behalten Aufgaben bei sich, weil sie glauben, es selbst schneller oder besser zu können. Kurzfristig stimmt das oft. Langfristig führt es dazu, dass die Führungskraft im Tagesgeschäft erstickt, während das Team sich nicht weiterentwickelt.

Delegieren heißt nicht, eine Aufgabe abzugeben und sich nicht mehr zu kümmern. Es heißt, Verantwortung bewusst zu übertragen und den Rahmen so klar zu setzen, dass der andere erfolgreich sein kann. Wer so delegiert, entlastet nicht nur sich selbst. Er entwickelt sein Team.

Mein Impuls

Ein Team zu erben ist kein Glücksspiel, bei dem man auf die richtigen Leute hofft. Es ist eine Aufgabe. Wer seine Mitarbeitenden sieht, sie dort abholt, wo sie stehen, und ihnen zutraut zu wachsen, der verdient sich sein Team. Und bekommt mit der Zeit genau das Team, das er entwickelt hat.

Die ehrlichste Frage, die sich eine Führungskraft dazu stellen kann, ist einfach: Verwalte ich meine Leute, oder entwickle ich sie?

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Marc Pawlak sitzt lächelnd mit verschränkten Händen am weißen Tisch vor dunkelblauem Hintergrund